KI-Kunst
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Die Porträts hier sind 2016 noch Zukunftsmusik. Der Heimcomputer braucht Tage für so ein Bild. Man muss externe Server anmieten, damit das klappt. Es handelt sich um neue Programme, bei denen der Computer mit "künstlicher Intelligenz" an den Auftrag herantritt. Ich habe das hier nur schon mal exemplarisch in kleiner Auflösung rechnen lassen. Ja, weiterhin liegen Fotos zugrunde. Genau, man gibt dem Computer parallel ein Gemälde zur Kenntnis. Und dann legt er los:

Wer hier Monet, Picasso und Munch am Werk sieht, liegt richtig. Bei Bild 1, 4 und 6 musste dann ich als "Maler" noch nachbessern - die visionäre "99" ist von Hand eingefügt, und die Wiese in Bild 4 rechts ist teilweise spiegelsymmetrisch zur linken, weil das Bild da andernfalls abgekippt wäre.

Freuen wir uns auf eine Zukunft, in der wir keine Maler mehr brauchen? Naja. Es ist schon eine gesteigerte Form von Diebstahl, die da anrollt. Wir werden uns in den Stilen suhlen, begeistert über Treffer quieken, und die in der digitalen Revolution angeschwollene Bilderflut wird sich auch noch mit solcher "Kunst" ausweiten.

Derartige Ausweitungen musste ich als eigentlich von diesen Computer-Möglichkeiten begeisterter Künstler schon mehrfach über mich ergehen lassen: Die Fraktale wurden so schön und immer schöner, bis die Kunden bei all der Überdosis an Pracht wegsahen. Die Mosaikbilder wurden häuserwandgroß und laufend von Werbung heimgesucht. Die Stereogramme verschwanden nach einem Boomjahr voller dahingesudelter Produkte, weil zu wenig Kunden sie überhaupt zu sehen imstande waren.

Nun also "KI-Kunst". Ich warte, sagen wir, auf das Jahr 2020. Da kann ich mir einen Rechner leisten, der die Rechenleistung für Obiges zuhause bringt. Gemeinsam wollen wir dieses Terrain der KI-Gemälde dann bewandern, ohne uns vom Kommerz, vom Kitsch, von der Verflachung und Vermassung beeindrucken zu lassen.

Die Bilder, die ich seit 1998 bis etwa 2020 gemeinsam mit dem Computer male, werden dann "retro" sein - basierend auf rührend schlichten Anweisungen in veralteten Malprogrammen. OK, Computer, lass uns diese Zeit genießen. Später werden wir sowas wie jetzt nicht mehr schaffen.

Es gibt ja heutzutage schon keinen Fachmenschen mehr, der in einer Fabrik den Bau einer Dampflokomotive organisieren könnte. Die Dinger sind nicht mehr baubar, ey! Wir malen also, Compi und ich, derzeit Dinge, die später nicht mehr gehen werden, weil alles so schön und neu dann ist. Das freut mich am Jetzigen, solche Zwischen-Zeitlichkeit, deren Ende angesichts obiger Porträts schon wieder in Sicht ist - und ich bleibe am Ball.